Prämierung der Wiesenmeisterschaft im Kanton Appenzell Ausserrhoden

27.08.2018

„Die Sieger im Hinschauen und der Achtsamkeit“
Die Siegerehrung der Wiesenmeisterschaft 2018 im Kanton Appenzell Ausserrhoden war ein eindrücklicher Beweis dafür, dass Umwelt- und Bauernorganisationen an einem Strick ziehen können. Beispielsweise wenn es darum geht, die artenreichsten Wiesen zu küren. Das war in diesem topographisch vielseitigen Gebiet nicht einfach.

Der Ausserrhoder Regierungsrat Dölf Biasotto sagte in seiner Eröffnungsrede zur Preisverleihung:„Ich bin gespannt, wie man die Artenvielfalt bei klimatisch und topographisch so unterschiedlichen Voraussetzungen bewerten kann, wie es sie zwischen dem Appenzeller Vorderland, dem Mittelland und dem Hinterland gibt.“ Dies war tatsächlich für die Jury eine Herausforderung. An dieser Stelle nur soviel: Das klimatisch günstige Vorderland hat nicht zwangsläufig die Sieger in den Kategorien Magerwiesen, Magerweiden und Streuwiesen hervorgebracht. Denn neben den natürlichen Voraussetzungen braucht es auch einen Bauern, der eine artenreiche Wiese schätzt und pflegt. Und zwar nicht nur wegen staatlichen Unterstützungen, sondern um ihrer selbst willen. Solche Landwirte gibt es in dem Halbkanton überraschend viele. Deshalb sagte Dölf Biasotto an die Adresse der gut hundert Anwesenden, im Heuboden in Bühler: „Sie sind alle Sieger. Sieger inmHinschauen, in derAchtsamkeit und in der Nachhaltigkeit.“ Über 30 Landwirte haben am gemeinsamen Wettbewerb des WWF, Pro Natura, dem Bauernverband und dem Landwirtschaftsamt Appenzell Ausserrhoden teilgenommen. Dessen Chef Dölf Biasotto fuhr fort: „Mein Amt vereint die Anliegen derLandwirtschaft und der Natur. Die Erfahrung zeigt: Nur der Dialog bringt uns weiter. Deshalb danke ich den Initianten von WWF und Pro Natura. Die Wiesenmeisterschaft ist ein Beispiel für einenBrückenbau.“ Ernst Graf, Präsident des Bauernverbandes Appenzell Ausserrhoden stellte dieVerbindung her zwischen „anständigem Preis“ für die Arbeit der Bauern, dem Vertrauen derKonsumenten und deren Bereitschaft den geforderten Preis auch zu bezahlen. „Wenn wir vomVertrauen der Konsumenten sprechen, sind wir schnell auch bei den Blumenwiesen. Sie unterstützen und verbessern das Image der Bauern als Produzenten von gesunden Lebensmitteln.“ Wichtig sei imÜbrigen, dass sich die Bauern trotz des Vorschriften-Dschungels selber an ihren blühenden Wiesen erfreuen.
Die bäuerliche Leistung sei umso höher zu bewerten, als Wiesen bei uns eigentlich eine von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft seien, wie Andres Scholl, Leiter der Kantonalen Fachstelle Natur und Landschaft in Erinnerung rief. Urwiesen gebe es in der Schweiz nur oberhalb der Baumgrenze. Unterhalb wüchse Wald, der beispielsweise im Appenzeller Raum vor 1200 Jahren oder in noch jüngerer Zeit gerodet und als Wiese nutzbar gemacht wurde. Die Blumenwiesen haben Menschen geschaffen. Andres Scholl: „Auch wenn wir unsere Flächen nicht mit Walliser Trockenwiesen vergleichen können, gibt es bei uns doch ein grosses Potential. Es hängt abereindeutig vom Standort eines Betriebes ab.“

Magerwiesen

Den dritten Rang in der Kategorie Magerwiesen sicherte sich Sepp Dähler vom Kabierhof unterhalb von Stein. Die belobigte Fläche war Teil eines ehemaligen Kiesabbaugebietes, das natürlicherweise nährstoffarme Böden aufweist. Die Auszeichnung passt zum Betriebskonzept. Denn Dählers Fleischrinder, die mit Bierprodukten massiert werden, lieben das rohfaserreiche Heu.
Werner und Heidi Zellweger aus Urnäsch sicherten sich den zweiten Rang. Sie bewirtschaften oberhalb von Urnäsch, unweit der Strasse in Richtung Hemberg, ein sehr artenreiches Stück Land. Neben sehr feuchten Standorten gibt es trockene Flächen, tief- und flachgründigen Boden. Neben trockenliebenden Pflanzen gibt es auf Zellwegers Boden auch Wollgras, das auf moorigem Gebiet wächst. Zellwegers sind zudem die Sieger der Kategorie Streuwiesen.
Sieger der Kategorie Magerwiesen sind Sepp und Lucia Oertli. Die prämierte Fläche sticht nicht nur durch ihre Artenvielfalt heraus, sondern auch durch die strukturierte facettenreiche Wiese mit nassen und schattigen Standorten am Waldrand und trockenen Flächen. Lucia Oertli sagt: „Wirhaben grosse Freude an unserer Wiese. Aber mit einem Sieg bei der Wiesenmeisterschaft haben wirnicht gerechnet. Das überrascht uns sehr.“

Streuwiesen

Bei der Kategorie Streuwiesen gab es keinen dritten Rang. Dafür aber zwei zweite Plätze. Sie gingen an Alfred und Albert Frehner in Urnäsch, sowie an Hansruedi und Marianne Heim in Gais. Beide Flächen sind strukturreich, wie Karin Küng vom Amt für Landwirtschaft in ihrer Laudation festhielt. Im Falle der Frehners wird die prämierte Fläche von einem Bach durchschnitten und schlängelt sich einem Waldrand entlang, bis sie Teil einer Lichtung bildet. Auf der anderen Seite erfreut sich Heims vielseitige Blumenpopulation einer schönen Aussicht auf den Säntis. Sieger der Kategorie Streuwiesen ist die Familie Zellweger, die mit ihrer artenreichen Fläche auch den zweiten Platz bei den Magerwiesen gewonnen hat. Denn die Teilnehmer konnten drei Flächen anmelden. Zellwegers Streuwiese überragt durch viele Orchideen, fleischfressende Pflanzen allerlei Grasarten und viele andere Blumenarten. Heidi Zellweger meint: „Viele Fussgänger freuen sich über unsere Wiese. Der Sieg bringt zusätzliche Sympathien ein und bestätigt uns.“

Magerweiden

Emil Giger, der Vater des bekannten Schwingers Samuel Giger, sicherte sich mit seiner Wiese den dritten Platz. In seiner kurzen Laudatio hielt Matthias Tobler vom Bauernverband des Kanton Appenzell Ausserrhoden fest: „Hätte es eine Kategorie für die beste Wiese mit nördlich ausgerichtetem Standort gegeben, wäre Emil Giger der Sieger gewesen.“ Denn die Wiese sei sehr nass. Emil Giger lasse Rinder weiden nutze das Gras als Streu, aber belaste den Boden nicht mit schweren Maschinen. Im zweiten Rang steht Stephan Jud, dessen prämierte Fläche zwar auf Gaiser Boden liegt, aber sie fällt ins Rheintal ab und kommt so bereits in den Genuss eines trockeneren und milderen Klimas. Die Artenvielfalt ist eindrücklich. Der Vergleich zwischen dem zweitplatzierten Stefan Jud und dem erstplatzierten Johann Bodenmann zeigt die grossen Unterschiede. Die Siegerfläche gehört dem Wirt des Restaurants Unterer Gäbris und befindet sich auf über 1200 Meter über Meer. Johann Bodenmann ist stolz: „Ich habe meinem Vorgänger versprochen, die blumenreiche Wiese zuschützen. Zuerst war ich nicht so überzeugt. Heute aber schon. Mein Sohn wird die Artenvielfalt erhalten, wenn er den Hof übernimmt. Darauf haben wir uns geeinigt.“

 

Bauernverband Appenzell Ausserrhoden
Amt für Landwirtschaft Appenzell Ausserrhoden Fachstelle Natur und Landschaft Appenzell Ausserrhoden
Pro Natura St.Gallen-Appenzell
WWF Appenzell

Die Gewinner:

Magerweiden
  1. Rang: Johannes Bodenmann, Gais
  2. Rang: Stephan Jud, Altstätten
  3. Rang: Emil Giger, Gais
Streuwiesen
  1. Rang: Werner und Heidi Zellweger, Urnäsch
  2. Rang: Alfred und Albert Frehner, Urnäsch und Hansruedi und Marianne Heim, Gais
Magerwiesen
  1. Rang: Sepp und Luzia Oertle, Urnäsch
  2. Rang: Werner und Heidi Zellweger, Urnäsch
  3. Rang: Sepp Dähler, Stein

 

Weitere Auskünfte:

Dr. Antonia Zurbuchen, Stv. Geschäftsführerin Pro Natura St. Gallen-Appenzell
071 260 16 65, @email