Zuerst soll der Wolf leichter abgeschossen werden können. Im Parlament wurden aber bereits die nächsten potenziellen Opfer erwähnt. Der Biber könnte der nächste sein. © Daniel Erni

St.Gallisch-Appenzellisches Komitee «NEIN zum missratenen Jagdgesetz» gegründet

04.06.2020

Am 27. September entscheidet auch die Stimmbevölkerung in St. Gallen und Appenzell über das revidierte Jagdgesetz. Jetzt haben PolitikerInnen aus Stadt- und Kantonsparlamenten, dem National- und Ständerat sich mit FörsterInnen, JägerInnen und Natur- und TierschützerInnen zu einer ungewöhnlichen Allianz zusammengeschlossen. Gemeinsam kämpfen die über 70 Personen in St. Gallen und Appenzell gegen das Abschussgesetz.

Im Kanton St. Gallen erfüllen 60% der Wälder eine Schutzfunktion und bewahren die Menschen im Tal vor Naturgefahren. Bereits jetzt sind die Wälder aufgrund des hohen Rotwildbestandes unter Druck. Das Abschussgesetz würde die Verjüngung der Wälder weiter gefährden. «Luchs und Wolf regulieren auf natürliche Weise den Bestand von Rehen und Hirschen, dadurch helfen sie, dass der Schutzwald wieder nachwachsen kann. Sie verfrüht zu regulieren, wie es das Jagdgesetz vorsieht, ist für uns alle kontraproduktiv», beschreibt Forstingenieurin Monika Frehner aus Sargans, die Situation.

Ausserdem werden mit dem revidierten Jagdgesetz Konflikte im Umgang mit Wildtieren zunehmen, denn: Statt die Handhabung mit geschützten Arten zu präzisieren, enthält es viele unklare neue Begriffe. Und gleichzeitig erhalten die Kantone weitreichende Kompetenzen in der Auslegung der verpfuschten Gesetzesarbeit. «Die Folge wird sein, dass mit schweizweit geschützten Wildtieren anders umgegangen wird, sobald sie die Kantonsgrenzen zwischen Appenzell und St. Gallen überschreiten», kritisiert Martin Stamm, Vorstandsmitglied von Birdlife St.Gallen-Bodensee.

Insgesamt ist das Abschussgesetz für das St.Gallisch-Appenzellische Komitee «NEIN zum missratenen Jagdgesetz» ein inakzeptabler Rückschritt beim Artenschutz: Während eine Anzahl gefährdeter Tiere weiterhin jagdbar bleiben, sollen geschützte Tierarten neu abgeschossen werden können, bevor überhaupt ein Schaden entstanden ist. «Soll die Schweiz ein Ort sein, an dem bedrohte Arten geschützt sind? Oder lassen wir zu, dass Tiere getötet werden, nur weil sie hier sind und potenziell Schaden anrichten könnten?» fragt Dr. Christian Meienberger, Co-Präsident des Nein-Komitees und Geschäftsführer Pro Natura St.Gallen.

 

Jagdgesetz: Kleine Revision hätte genügt

Am 19. März 2014 reichte der Bündner Ständerat Stefan Engler seine Motion «Zusammenleben von Wolf und Bergbevölkerung» ein. SR Engler sagte dazu: «Dabei stehen Massnahmen zur Regulierung eines Wolfsbestandes im Vordergrund bei Tieren, die sich an ausreichend geschützte Herden oder Weiden wagen oder das scheue Verhalten gegenüber dem Menschen zu verlieren beginnen.» Eine kleine und gezielte Revision von Artikel 7 des JSG hätte genügt, um die Motion zu erfüllen. Organisationen wie Pro Natura oder WWF unterstützten von Beginn weg Englers Absichten. Aus dem geplanten Wolfs-Kompromiss ergab sich jedoch ein «generelles Abschussgesetz».

Die Sorgen der Bergbauern können und müssen ernst genommen werden. Nur: diese Chance wurde mit dem Jagdgesetz verpasst. Die Chance kann nach einem Nein am 27. September 2020 wieder aufgenommen werden.

 

Kontakt/Auskunft:

St.Gallisch-Appenzellisches Komitee «Nein zum missratenen Jagdgesetz»
c/o Pro Natura St.Gallen-Appenzell, Postfach 103, 9014 St. Gallen, Tel 071 260 16 65, @email
https://jagdgesetz-nein.ch/regionale-komitees/regionalkomitee-st-gallen-appenzell/

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