Parzelle 1030, Oberegg AI © Pro Natura St. Gallen-Appenzell

P060: Aufwertung Prz 1030 Ochsenweid, Oberegg (2021-2023)

Pro Natura St. Gallen-Appenzell wurde im März 2021 die Liegenschaft Nr. 1030, Ochsenweid, im Bezirk Oberegg AI, durch eine Schenkung übertragen. In einem Aufwertungsprojekt wird ein bestehender Weiher instand gestellt. Zudem soll durch die Schaffung einer extensiven und strukturreichen Umgebung ein amphibientauglicher Landlebensraum entstehen.

Das Grundstück liegt isoliert im relativ intensiv genutzten Landwirtschaftsgebiet Kellenberg östlich von Oberegg. Es ist durch einen Bach mit einem ca. 200 m entfernten Waldtobel vernetzt. Neben Wiesenflächen, einem Bach und einer Streuefläche befindet sich auf dem Grundstück auch ein stark verlandeter ehemaliger Feuerweiher.

Ehem. Feuerweiher vor Aufwertung © Pro Natura St. Gallen-Appenzell © Pro Natura St. Gallen-Appenzell
Ehem. Feuerweiher vor Aufwertung

Feuerweiher und Amphibien

Das verlandete Kleingewässer ist einer von mehreren ehemaligen Feuerweihern in der Umgebung. Durch die Nutzung als Feuerweiher wurden diese regelmässig gereinigt und somit offengehalten. Dies war für seltene Amphibienarten vorteilhaft, denn sie erhielten dadurch einen ungestörten Lebensraum ohne Konkurrenz durch andere Amphibienarten und ohne potenzielle Fressfeinde. Mit dem Ausbau des Hydranten- und Leitungsnetzes wurden Feuerweiher immer weniger benötigt. So verlandeten die meisten dieser Gewässer oder wurden sogar vollständig zugeschüttet. Der Lebensraum für Amphibien ging damit verloren. Das aktuelle Projekt von Pro Natura St. Gallen-Appenzell sieht eine Neugestaltung des verlandeten Feuerweihers vor. Durch die Instandstellung und leichte Vergrösserung soll ein geeignetes Laichgewässer für verschiedene Amphibienarten wie Grasfrosch, Erdkröte, Berg- und Fadenmolch geschaffen werden. In einem ersten Schritt werden die gewässerumgebenden Bäume und Gehölze entfernt. In einem zweiten Schritt werden die verlandeten Bereiche und die organischen Ablagerungen des Weihers vorsichtig bis auf den abdichtenden Untergrund abgetragen. Dabei werden die Uferbereiche flach ausgestaltet. Zur Vergrösserung der Wasserfläche soll das Terrain östlich des Weihers (Bereich Überlauf) leicht angehoben werden. Dabei wird darauf geachtet, dass sich die neue Terrainführung optimal in die bestehende Landschaft einfügt.

Aufwertung Extensivwiese

Die westlich des ehemaligen Feuerweihers gelegene Wiesenfläche weist eine geringe botanische Artenvielfalt auf. Mit der Einsaat von Klappertopf soll der Grasbestand reduziert und damit Lücken in der Vegetation geschaffen werden. Diese brachliegenden Stellen innerhalb der Wiese sollen dann mit einer auf den Standort angepassten Wildblumen-Saatmischung übersät werden. Als Ergänzung können einzelne Arten eingepflanzt werden.

Der Strukturarmut im Landlebensraum entgegenwirken

Als Beitrag an eine strukturreiche Umgebung werden verschiedene Kleinstrukturen geschaffen. Einerseits werden verschiedene Strauchgruppen, bestehend aus je ca. 20-30 einheimischen und standortgerechten Sträuchern, gepflanzt. Andererseits wird entlang des am südlichen Rand der Parzelle gelegenen Littenbaches abschnittsweise eine Uferbestockung angelegt. Ausserdem werden zur Förderung von Amphibien und Reptilien drei Steinhaufen erstellt. Um Staunässe zu verhindern und gleichzeitig ein frostsicheres Überwintern der Tiere zu ermöglichen, werden die Steinhaufen in einer nach vorne geneigten (10-20 Grad), 80-100 cm grossen Vertiefung angelegt. Ergänzt werden die Steinhaufen mit Totholz und einheimischen und standortgerechten Rosen, um dem traditionellen regionalen Landschaftselement «Rosengestrüpp» nachzukommen. Durch den Abschluss eines Reservatsvertrages mit einem Pächter soll der längerfristige Unterhalt der Flächen gesichert werden.

Projektstand

Pro Natura St. Gallen-Appenzell hat im Frühjahr 2022 den ehemaligen Feuerweiher saniert sowie zwei Steinlinsen angelegt. Weiter konnten eine Hecke und ein Ufergehölz gepflanzt werden. Im Frühjahr 2023 ist eine Nachpflanzung von Sträuchern sowie eine Aufwertung der Wiesenflächen geplant.